Elisabeth Mayer – Hofer, Obergasse 9, CH- 3264 Diessbach, mayer-hofer@bluewin.ch
+41 79 314 14 80
Jg. 1954
Ausbildung in allgemeiner Krankenpflege
3-jähriger Diplomstudiengang in angewandter Gerontologie, Schwerpunkt Kunst und Kreativität im Älterwerden und als Lebensbegleitung
Studiengang in Spiritual Care Uni Bern
Seit 2002 Arbeiten mit Echt-Antikglas
Sinn finden in meinem Tun
Es ist mein grosses Thema: Sinn in meinem Tun zu finden. Dazu fällt mir ein Gedicht von Joseph von Eichendorff ein:
«Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst Du nur das Zauberwort.»
Mein Zauberwort ist «Glas». Vor über 20 Jahren habe ich angefangen, mit farbigem Glas zu arbeiten. Ich habe mir eine eigene Schneide- und Arbeitstechnik angeeignet. Das Arbeiten mit diesem wunderbaren Material beglückt mich immer wieder und es ermöglicht mir, über Manches nachzudenken und Parallelen zum Leben zu finden.
Ich arbeite mit Scherben und probiere, aus den Scherben heraus etwas Neues entstehen zu lassen. Wenn ich ein Objekt beginne, weiss ich nie, wie es herauskommt. Ich kann das nicht üben. Es ist wie im Leben: immer real, immer wirklich – kein blosses Üben. Auch beim Glasen kann ich keine Entwürfe, keine Schablonen machen. Ich kann die Farben wählen, ich kann die Formen mehr oder weniger wählen, aber hauptsächlich ergeben sich zufällige Formen. Erst wenn das Objekt ganz fertig ist, sehe ich das Resultat. Und weil es Handarbeit ist, sehe ich erst am Schluss, was anders hätte sein sollen.
Das Trägermaterial, das ich verwende, ist entweder Glas oder Plexiglas. Für meine Scherben brauche ich ein Trägermaterial – so verstehe ich auch das Leben, in dem wir alle drin stehen. Kein Mensch hat sein Leben selbst gewählt, wir wurden alle in dieses Leben geboren und wir müssen es wieder verlassen, ohne dass wir gefragt werden.
Das farbige Glas ist mundgeblasenes Echt Antikglas; es wird nach einer traditionellen Methode hergestellt, die seit Jahrhunderten gleich ist. So wurden und werden auch Kirchenfenster hergestellt. Die Glashütte, die dieses Glas herstellt, verfügt über ungefähr 4000 Farbtöne. Allein von der Farbe Grün gibt es ungefähr 700 Töne. Für mich stehen die verschiedenen Farbmischungen für unterschiedliche Menschen. Wir sind alle aus dem gleichen zerbrechlichen Material.
Wenn ich ein Glasstück gelegt habe, kann ich es nicht mehr wegnehmen, der unsichtbare Klebstoff ist fest, die Verklebung glasklar. Ein unsichtbarer Klebstoff bindet auch uns an dieses einmalige, kostbare Leben, in dem immer der aktuelle Moment der Wichtigste ist. Wir leben Schritt für Schritt, ich glase Scherbe für Scherbe. Und manchmal, wenn ich am Schluss ein Objekt von der Rück- oder Innenseite her, also spiegelverkehrt, betrachte, sehe ich: Der Verlauf der Scherben hat sich stimmig ergeben. Und ich frage mich, ist das Versöhnung?
Wenn ich die Scherben geklebt habe, fülle ich die Lücken zwischen den Gläsern mit Fugenzement. Der Fugenzement hat die Aufgabe, das Objekt zusammenzuhalten, ihm eine Form zu geben. Er wirkt ausgleichend und verhindert, dass man sich an den unterschiedlich dicken Scherben schneidet. Erst durch den schwarzen Fugenzement bekommen die Farben ihre Tiefe. Für mich ist der Fugenzement das, was unseren Glauben und unsere Hoffnung ausmacht.
Und dann ist das Licht, die Ausstrahlung, das Wichtigste am ganzen Objekt! Es geht mir nicht um die Form eines Objekts, nicht um die Grösse, nicht um die Farbe – es geht mir um das Licht, die Ausstrahlung, die ich nicht machen kann. Diese wird geschenkt. Bei einem Objekt kommt das Licht von hinten oder von innen. Man kann farbige Glasfenster nicht von vorne beleuchten; die Glaser haben das lange erfolglos versucht.
Das Licht, das uns geschenkt wird, in einem Glitzern zwischen den Gläsern, das warme Licht in einer Laterne, die Freude in einem unerwarteten Moment – das Licht ist das, was meinem Tun Sinn gibt, mich beglückt, mir Mut und Hoffnung gibt für die nächsten Schritte, im Alltag, für das nächste Objekt, auch wenn ich wieder Dinge sehen werde, von denen ich denke, sie hätten anders sein sollen.